Was deucht einem, wenn der Kaiser von Wien Häupl I., die rote Gabi aus Salzburg, der einzig richtige Haider aus Oberösterreich, die viel zitierte sozialdemokratische Basis und nicht zuletzt Kapazunder des Gestern und Einflüsterer des Heute wie Altkanzler Vranitzky und Helmut Zilk unverhohlen die Sympathie entziehen: richtig, man ist heißt Dr. Alfred Gusenbauer und ist seinerseits Bundeskanzler von Österreich. Seine provokativen Aussagen der letzten Zeit („Gesudere“ ; „16:00-Abgeordnete“) allein runden das Bild des von der eigenen Partei wenig geliebten Chefs nur ab, schuld an der Misere sind sie bei weitem nicht. Gusenbauer ist ein hochintelligenter, außenpolitisch kompetenter politischer Vollprofi, das wissen auch die eigenen Leute. Zusätzlich ist er aber auch Symbol gewordene Figur eines Phyrrus - Sieges bei der letzten Nationalratswahl, welche nicht von der SPÖ gewonnen, sondern in beeindruckender Weise von der ÖVP verloren wurde, trotz Bawagkrise und der eher lauen Unterstützung für den farblosen Spitzenkandidaten der Roten.
Nach diesem glücklichen Betriebsunfall ist man undankbares Beiwagerl in einer großen Koalition, den Schüssel-Schlüssel zur Macht besitzt Vizekanzler Molterer, das Geld als Finanzminister sowieso, undankbare und am Image knabbernde Aufgaben wie die Gesundheitsreform bleiben an den SPÖ-Ministern hängen. Eine Partei, eine ganze Bewegung beginnt ihr Gesicht in der Bevölkerung zu verlieren, daß in Folge der Chefsessel im Zeichen eines neuen Aufbruchs zuerst angesägt wird, kennt man nicht zuletzt aus der Wirtschaft und der ihr so nahen ÖVP. Der Kanzler wird also geachtet, aber nicht geliebt, und bis zum Parteitag im Oktober rinnt für ihn die Zeit davon, um die SPÖ zu überzeugen, daß er gerechtfertigterweise Kanzler und Spitzenkandidat für die nächste Wahl ist. Wie das zu geschehen hat, steht in den Sternen und zugegebenermaßen ist es selbst dem Schreiber dieser Zeilen schleierhaft. Es fehlt dem „Fredl“ einfach eine Grundeigenschaft, die zu haben für das höchste Regierungsamt unabdingbar ist: Identifikationspotential für das Volk! Dem Wähler ist es oft egal, wieviel Sprachen das staatliche Oberhaupt spricht, wie eloquent er über Spitzenwinzerei reden kann, oder wie sehr er in Gebieten der internationalen Makroökonomie bewandert ist. Wichtig ist, daß man das Gefühl hat, da sitzt einer von uns in den oberen Rängen, einer, der stets ein offenes Ohr für dringliche Probleme des einfachen Mannes hat und mit beiden Beinen fest gleichzeitig auf harter Hacklererde und auf nationalen und internationalen Parkett steht. Anders gesagt: eine Führungspersönlichkeit, die wie ein Fels in der Ideologiebrandung zu seinen Überzeugung steht, die Seinen dabei nie vergißt und dies auch bei jeder Gelegenheit spüren läßt, gerade wenn es gegenüber dem politischen Gegner machtpolitisch nicht opportun erscheint. Ein Kreisky war so einer, ein Schröder, ein Blair (mit Ausnahme der Irakmisere) und im Lichte der Nachbetrachtung auch ein Wolfgang Schüssel.
Um eines gleich klarzustellen: es geht hier nicht um sorglosen Populismus zur Stimmenmaximierung, vielmehr dreht es sich neben der ebenso wichtigen Fachkompetenz des Politikers um das Repräsentieren seiner eigenen Wählerschaft, genau die schauen zu einem auf und verlangen eine Vision, eine klar gezogene übergeordnete Strategie, die dem Lebensentwurf und der höheren Motive der kreuzerlgebenden Wähler entspricht. Wie sehr Gusenbauer diesem Bild nicht entspricht, läßt sich noch an jenem unseligen „Kleiner Bub ist froh“ - Grinser beim Unterschreiben des Regierungsabkommen ermessen, bei dem man das Gefühl nicht los wurde: hier freut sich einer über das Amt mehr als auf die bevorstehenden Aufgaben, welche jenes mit sich bringt. Das höchste Amt im Staat ist letztlich gleichermaßen Identifikationsfigur für das Volk als auch kompetenter Operator im politischen Tagesgeschäft. Zweiteres kann Gusenbauer durchaus, ersteres ist ihm nicht auf dem Leib geschneidert. Der Oktober wird kommen, der Kompromiß, den Parteivorsitzenden an Faymann weiterzureichen, wird die Krise nur prolongieren. Wie sollen einvernehmliche Entscheidungen in der Partei getroffen werden, wenn der eine der Parteibasis hörig sein soll und der andere pragmatische Regierungsarbeit machen muß. Da wird der koalitionäre Streit nur in die eigene Partei getragen und ein Spaltpilz ist vorprogammmiert. Bei dieser Scheinlösung gibt es nur einen Gewinner, die ÖVP!